Jugend ohne Gott
Autor: Ödön von Horvath
Verlag: Suhrkamp
Deutsch
5.00 CHF
ISBN: 978-3-518-46005-4

Auch Teil des Konvoluts «5 Bücher aus Romane»


Ödön von Horváths "Jugend ohne Gott" (Suhrkamp Verlag) ist ein erschütternder Roman, der 1937 entstand und die Gesellschaft im Vorfeld des Nationalsozialismus auf erschreckende Weise reflektiert. Der Roman erzählt die Geschichte eines namenlosen, jungen Lehrers, der an einer Mittelschule im ländlichen Österreich unterrichtet. Er beobachtet die zunehmende Brutalität und Gleichgültigkeit seiner Schüler, die sich in immer grösserem Ausmass dem faschistischen Gedankengut hingeben.

Der Lehrer, der selbst mit moralischen Zweifeln und dem Gefühl der Ohnmacht kämpft, agiert als stiller Beobachter und Chronist des Geschehens. Er wird Zeuge von Grausamkeit und Gewalt, die von scheinbar unschuldigen Schülern ausgeht - von Tierquälerei und sadistischen Spielen bis hin zu politisch motivierter Gewalt. Die Jugendlichen zeigen keinerlei Empathie und sind geprägt von einer gefährlichen Mischung aus Langeweile, Frustration und einer Sehnsucht nach Autorität, die sie im Nationalsozialismus zu finden glauben.

Horváth schildert nicht nur die Entwicklung der Schüler, sondern auch die Mängel des Erwachsenenseins. Die Erwachsenen sind weitgehend passiv, blind gegenüber den alarmierenden Entwicklungen oder gar Komplizen. Der Lehrer selbst ist in seiner Hilflosigkeit gefangen und kann den Schülern weder moralische Werte vermitteln, noch sie vor den Folgen ihrer Taten bewahren.

"Jugend ohne Gott" ist kein Roman mit einer klaren Handlung im traditionellen Sinne, sondern eher eine eindringliche Studie über die Verrohung der Gesellschaft und die Erosion moralischer Werte. Der Titel ist Programm: Die Jugend wird als lost, ohne Orientierung und ohne Glauben an höhere Prinzipien dargestellt, was den Weg für den Faschismus ebnet. Horváths Werk ist bis heute erschreckend aktuell, da es die Mechanismen beschreibt, die zur Entstehung von totalitären Regimen beitragen können und die immer wiederkehrende Gefahr von Gewalt und Intoleranz aufzeigt. Der Roman ist eine düstere, aber wichtige Lektüre, die zum Nachdenken über die Verantwortung des Einzelnen und die Gefahren von Indifferenz anregt.